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10.07.2019

Nachruf auf Prof. Dr.-Ing. E.h. mult. Dr. sc. h.c. Dr.-Ing. Hans-Peter Wiendahl

Von Thomas Bauernhansl, Fritz Klocke, Engelbert Westkämper

Am 7. Juli 2019 verstarb Professor Dr.-Ing. Hans-Peter Wiendahl in Stuttgart im Alter von 81 Jahren. Sein Wirken auf dem Gebiet der Produktionssystematik wird vielen Freunden und Kollegen in guter Erinnerung bleiben. Wiendahl prägte das heutige Verständnis der Produktionsorganisation als einem System, dessen Management einer methodischen Grundlage bedarf. Er steht in der Tradition erfolgreicher Lehrer und Wissenschaftler von Frederick Winslow Taylor über Herwart Opitz, Günter Spur, Hans-Jürgen Warnecke bis in die heutige Zeit der digitalen Produktion.

Professor Wiendahl begann seinen Weg als Facharbeiter. Er führte dann über die Ingenieurschule und Tätigkeit bei Hösch AG Westfalenhütte in Dortmund zum Studium des Maschinenbaus an die RWTH Aachen. Zwei Semester verbrachte er am MIT in Cambridge, USA und dort lernte er die neuen Konzepte der rechnergeführten Fertigung kennen. Am Werkzeugmaschinenlabor der RWTH Aachen (WZL) begann seine Karriere als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Oberingenieur bei Prof. Opitz am WZL, wo er promovierte und habilitierte. Als Oberingenieur wirkte er maßgeblich an der Berufung der drei Nachfolger von Prof. Opitz, nämlich Eversheim, Weck und König, mit und trug maßgeblich zur Ausrichtung des WZL und zur Etablierung des Lehr- und Forschungsgebietes der Produktionssystematik bei.

Nach seiner Arbeit am WZL übernahm er bei Sulzer Escher-Wyss GmbH in Ravensburg eine leitende Funktion als Abteilungsleiter für Planung und Qualität sowie als technischer Leiter der Branche Papiermaschinen. Immer wieder erzählte er den Kollegen und später seinen Studierenden von den Erfahrungen in Planung und Management eines Maschinenbauunternehmens.

1979 erhielt Wiendahl einen Ruf an die Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover als Professor und geschäftsführender Leiter des Instituts für Fabrikanlagen und Logistik in der Nachfolge des Gründers Hans Kettner. Das Institut führte er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 2003. Neben der Institutsleitung war er in der Selbstverwaltung der Universität Hannover als Vizepräsident und Vorsitzender der Haushalts- und Planungskommission aktiv. Gemeinsam mit Kollegen gründete er die CIM-Fabrik Hannover, die später zum Institut für integrierte Produktion IPH in Hannover wurde.

Hans-Peter Wiendahl war ein Ingenieur, der Lösungsansätze für die Praxis aus den wissenschaftlichen Gesetzmäßigkeiten ableiten oder selbst dort neue finden konnte, wo Empirie und Erfahrung in der Organisation von industriellen Betrieben vorherrschend waren. In Hannover setzte er das von Kettner vorgeschlagene „Trichtermodell“ in eine Gesetzmäßigkeit zum Management der Logistik fort und schuf damit eine weltweit bekannte Systematik des Produktionsplanungs- und Steuerungssystems (PPS), die heute in vielen Anwendungen des IT- Ressourcenmanagements steckt. Unermüdlich arbeitete er bis in die jüngste Zeit an Gesetzen zur Erklärung produktionstechnischer Phänomene und zur Entwicklung zeitgemäßer Konzepte für Flexibilität, Wandlungsfähigkeit und Produktivität der Produktion. Seine vielen Bücher, die er allein und in Zusammenarbeit mit Fachkollegen geschrieben hat, sind Standardwerke für Ingenieure. Sie zeigen durchweg seine Handschrift in Bezug auf Präzision und Klarheit der Darstellung, die nur wenige Autoren so perfekt beherrscht haben, wie Hans-Peter Wiendahl.

Wiendahl war ein weltweit bekannter und geehrter Wissenschaftler, der nicht nur viele Publikationen schrieb und den wissenschaftlichen Nachwuchs vorbildlich förderte, sondern maßgeblich zur Entwicklung der Produktionsforschung beigetragen hat. Ein gern gesehener und gehörter Vortragender, immer sachlich und zugleich praxisnah in den Diskussionen, ein objektiver Gutachter und zugleich Ideengeber, aktives Mitglied internationaler Akademien und Vereinigungen, der stets bereit war, sich für die Gemeinschaft einzusetzen.

Professor Wiendahl war der Systematiker der Produktionswissenschaft, der früh erkannte, dass hinter manchen logischen und praktizierten Handlungsweisen fundamentale Gesetzmäßigkeiten stecken. Sie sollten Grundlage eines Managements sein, um auch unter dem Einfluss dynamischer Veränderungen effizient zu bleiben. Er schuf damit Grundlagen für das digitale Zeitalter der Produktion.

Wir verlieren mit Hans-Peter Wiendahl eine herausragende Persönlichkeit der deutschen Wissenschaft, die maßgeblich zum internationalen Ruf des deutschen Maschinenbaus beigetragen hat, ferner einen vorbildlichen Hochschullehrer, Fachkollegen und Freund.



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