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wt-online - Ausgabe 08-2001, S. 498

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Montage, Handhabungstechnik, Instandhaltung

Augmented Reality: Monteure mit Durchblick

S. Müller

Unter Experten gilt die Augmented Reality als wichtige Schlüsseltechnologie der Zukunft. Das Prinzip ist einfach und genial zugleich:: Realität und vom Computer generierte Bilder überlagern sich für den Betrachter, indem zum Beispiel über eine Datenbrille, Bild
2, oder ein semitransparentes Display Informationen eingeblendet werden. Ein am Gürtel befestigter Minirechner oder ein Laptop erzeugen lagerichtig zum Objekt die akustischen und visuellen Informationen, eine bleistiftdünne Videokamera an der Brille dient dazu, die Position und die Blickrichtung des Benutzers exakt zu ermitteln.

Prädestiniert ist AR für den Bau hochkomplexer Produkte wie Flugzeuge, Kraftwerke oder Maschinen. Dabei ersetzt AR nicht nur das Montagehandbuch , sondern liefert zusätzlich aktuelle prozessrelevante Daten. Daneben eröffnen sich mit AR-Systemen enorme Marktpotentiale für innovative Anwendungen in Wartung und Service:: Techniker erhalten die digitalen Handbücher der Zukunft. Hersteller könnten weltweit den Mitarbeitern vor Ort alle digitalen Daten für die Reparatur oder Wartung via Internet bereit stellen und sehr einfach aktualisieren. Ferner wäre es einem Experten möglich, am Monitor die Arbeiten des Technikers zu verfolgen und Anweisungen zu geben.

Die deutsche Wirtschaft hat das Potential der Augmented Reality Technologie erkannt:: Unternehmen und Forschungseinrichtungen haben sich vor etwa zwei Jahren im Projekt "ARVIKA" (www.arvika.de) zum weltweit größten AR-Konsortium zusammengeschlossen. Sie wollen AR-Techniken in marktreife Anwendungen umsetzen, insbesondere für Bau und Wartung von Automobilen, Flugzeugen, Maschinen und Anlagen. Die Leitung des Konsortiums hat Siemens A&D, die technische Koordination liegt beim Fraunhofer IGD . Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (bmbf). Bedeutsame Zwischenergebnisse präsentierten die Konsortialpartner auf dem 2.
Arvika-Forum Ende Mai 2001 in Aachen. In über 25
Einzelexponaten wurden bereits die ersten AR-Systeme in den jeweiligen Anwendungen gezeigt. Die Prototypen, Usability Testumgebungen und Computertechniken stießen auf großes Interesse bei den Besuchern. Sie zeigten die enorme Bandbreite der möglichen Anwendungen, Basistechniken und ein System
design, das sich an den natür
lichen Interaktionstechniken der Anwender orientiert.

Die Technologien der Information und Kommunikation haben in den letzten zehn Jahren zu tief greifenden Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft geführt. Sie werden den Unternehmen auch zukünftig die entscheidenden Impulse für Innovationen geben, um im globalen Wettbewerb bestehen zu können. Wie schnell innovative technologische Lösungen von der Wirtschaft aufgegriffen werden, zeigt die Entwicklung von Virtual Reality (VR). VR ist heute bereits in den Prozess der Produktentwicklung fest integriert, insbesondere im Design Review, bei ergonomischen Untersuchungen und "Clinics". Virtuelle Prototypen verdrängen nicht nur in der Automobilindustrie zunehmend die traditionellen Modelle. Komplexe Fabrikanlagen lassen sich schon jetzt bis ins Detail visualisieren " von der Bauausführung bis zu den einzelnen Produktionsabläufen. Virtual Reality hilft so, kostspielige Planungsfehler zu vermeiden, verkürzt Entwicklungszeiten und ermöglicht es dem Anwender intuitiv zahlreiche Alternativszenarien zu simulieren.

Die Technologie der Augmented Reality ist jünger als die VR-Technologie und zielt auch einen deutlich breiteren Markt an. Vor allem der Trend zur mobilen Kommunikation in Beruf und Freizeit forciert die Entwicklung von AR-Systemen. Denn in Kürze stehen leistungsstarke tragbare Endgeräte zur Verfügung und UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) gewährleistet die Bandbreiten, um große Datenmengen in Echtzeit zu übertragen. UMTS
ermöglicht Übertragungsraten bis zu 2
MBit. Das ist etwa die 31fache Geschwindigkeit derzeitiger ISDN-Geräte im Festnetz. Diese neue Form der Mensch-Maschine-Schnittstelle wird mittelfristig komplexe Arbeitsprozesse in Entwicklung und Produktion wie auch in Wartung und Service unterstützen. Damit vervollständigt AR die Prozesskette der digitalen Produktentwicklung bis zum Ende.

Autor:
Müller, S.

Der vollständige Beitrag ist erschienen in:
wt-online 08-2001, Seite 498
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