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wt-online - Ausgabe 08-2001, S. 483

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Montage, Produktionsmanagement, Arbeitswirtschaft

Effizienzsteigerung in der Montage durch markt orientierte Strukturen und erweiterte Mitarbeiterkompetenz

1 Motivation

Die Montage hat weiterhin einen ganz besonderen Stellenwert für Markterfolg und Produktivität eines Unternehmens. In dieser abschließenden Stufe des Produktionsprozesses wird technologisch die Gesamtfunktion des Produktsystems realisiert. Weiterhin ist die Montage aus logistischer Sicht oftmals einer der terminbestimmenden Schritte zum Kunden. Die Montage bietet in diesem Spannungsfeld noch immer weit reichende Rationalisierungsreserven.Andererseits haben die Herausforderungen an die Montagegestaltung durch verkürzte Innovationszyklen, die zunehmende Integration elektronischer Funktionen zu mechatronischen Komponenten sowie die anhaltende Produktvarianz noch zugenommen. Dazu kommen neue, informationstechnische und logistische Anforderungen durch die globale Positionierung der Montagewerke und die Einbindung in wechselnde Produktionsnetzwerke.Maßgebliche Verbesserungsansätze liegen, neben der problemorientierten Logistik, vor allem auch in der Nutzung elektronisch gestützter Methoden zur Automatisierung, Planung und Prozesssicherung der Montagevorgänge. Entlang der gesamten Wertschöpfungskette bleibt jedoch der positive Einfluss hoch qualifizierter Mitarbeiter von zentraler Bedeutung.Trotz aller Automatisierungserfolge ist der motivierte Mitarbeiter mit seiner hohen Flexibilität und damit schnellen Reaktionsfähigkeit immer noch eine wesentliche Alternative bei der Systemgestaltung. Dies bleibt ein entscheidender Produktionsfaktor, um den Standort Deutschland zu sichern.Weiterhin sind bei der personenorientierten Montage durch konsequentes Umsetzen arbeitswissenschaftlicher Erkenntnisse und durch die Auslegung von gemischten Systemen der Teilautomatisierung leistungsfähige Konzepte auch bei relativ hohen Arbeitskosten möglich. Auf jeden Fall bleibt der besondere Vorteil hoher Mengenflexibilität bei personell orientierten Montagestrukturen. Mit flexiblen Arbeitszeitmodellen sind hier interessante Rationalisierungspotentiale entstanden, die gleichermaßen die betroffenen Arbeitsplätze sichern [1].Der wirtschaftliche Erfolg ist somit einerseits vom intelligenten Einsatz der qualifizierten Mitarbeiter abhängig. Andererseits müssen Unternehmen bei zukunftsorientierten Rationalisierungsvorhaben flexible Betriebsmittel beschaffen. Dies trifft vor allem im Bereich der Montage zu, da hier meist produktspezifische Sonderlösungen in der Anlagenkonzipierung vorherrschen.Es besteht somit ein Bedarf an kostengünstigen, flexiblen und modularen Montagesystemen und -komponenten, die eine schnelle und effektive Realisierung geforderter Systeme zulassen. Vielversprechend erscheint hierbei der sich abzeichnende Trend, modulare, hybride Montagesysteme einzusetzen, um somit Potentiale in der Reaktionsfähigkeit bezüglich schwankender Marktanforderungen ausschöpfen zu können.

2 Modulare Montagesysteme

Um den Planungs- und Projektierungsaufwand deutlich zu verringern sowie eine sichere und schnelle Inbetriebnahme zu realisieren (Bild
1), ist es mit modularen Systemstrukturen denkbar, das Montagesystem oder die einzelnen Stationen in verschiedene Module zu untergliedern. So kann etwa in einem Modul zur automatisierten Montage mit Trennen der grundlegenden, produktneutralen Funktionen (Werkstücktransport, Materialflusssteuerung und so weiter) von den prozess- und produktspezifischen Komponenten (wie Schraub- oder Einlegeprozess) ein hoher Grad an Modularität, Flexibilität, Wiederverwendbarkeit und Kostentransparenz erreicht werden [2].Mit Verlagern der Anlagensteuerung von einer zentralen SPS (Speicherprogrammierbare Steuerung) auf dezentrale, kleinere Zellen- und Modulsteuerungen, die über industrielle Bussysteme miteinander kommunizieren, ergeben sich bezüglich der konventionellen Technik wesentliche Vorteile hinsichtlich einer hohen Umbauflexibilität sowie geringere Kosten für Engineering und Verdrahtung.Neben diesen Kriterien erlaubt die Entwicklung produktneutraler Basismodule eine bedarfsorientierte Erweiterbarkeit und Rückbaufähigkeit der Montagesysteme bezogen auf den Produktlebenszyklus. Somit ist eine Anpassungsfähigkeit der Montage an die marktbedingten, turbulenten Änderungen in den Abläufen und Arbeitsinhalten durch absatzsynchrone Produktion gegeben.Die modulare Gliederung der Montage
systeme trägt weiterhin ihren Anteil dazu bei, die Wirtschaftlichkeit der Montage am Standort Deutschland mittels einer erweiterten Wirtschaftlichkeitsbetrachtung nachzuweisen. Mit dem hohen Wiederverwendungswert des produktneutralen Anteils erscheint einerseits die klassische Berücksichtigung der monetären Aspekte wie R.O.I. (Return On Investment), Kapitalwertmethode und Interne Rendite durch die längere Nutzungsdauer unter einem andern Gesichtspunkt. Andererseits können auch nicht monetäre Aspekte wie Zeit, Flexibilität, Qualität oder Mitarbeitersituation zur Beurteilung und Nutzenbewertung herangezogen werden. Der Widerspruch zwischen Systemverfügbarkeit, Erweiterbarkeit und Kosten wird somit relativiert (Bild
2).Des Weiteren stellen modulare Strukturen in Kombination mit einer hybriden Montage hervorragende Mittel dar, um in der Produktionshochlaufphase die Investitionen dem Bedarf anzupassen, in der Auslaufphase flexibel auf den Rückgang der Stückzahl zu reagieren oder im Falle von Produktfamilien die Exoten von Hand zu montieren [3,
4].Ein weiterer Trend beim Gestalten modularer Montage
systemen wird vom zunehmend häufiger anzutreffenden Wunsch der Montagesystemanwender beflügelt, die nur noch einen Ansprechpartner (also ein Generalunternehmen) für die Planung komplexer Montageanlagen haben möchten. Die Idee ist, eine Partnerschaft zwischen Montagesystemhersteller und Technologie-Experten aufzubauen. Hauptziele sind dabei das Abstimmen mechanischer, elektrischer und informationstechnischer Schnittstellen mit anderen Experten, Verwenden des gleichen Systemgrundaufbaus sowie Weiterentwicklung und Verbesserung der Zellen und Module (Bild
3).Der Systemanwender braucht somit nur in Zellenkomponenten zu denken und zu planen. Die Applikationen und Anwendungen werden vom Expertenpool entwickelt und gefertigt. Nur besondere Anpassungen oder spezielle Standards müssen noch vom Systemanwender selbst geplant und umgesetzt werden. Aus Kundensicht eröffnet sich somit die Möglichkeit, unterschiedliche Anlagen bei verschiedenen, spezialisierten Maschinenbaufirmen zu beschaffen, und trotzdem bezüglich Austauschbarkeit der Komponenten, Werkstücktransfer sowie Schnittstellen einen hohen Grad an Kompatibilität und Umrüstflexibilität zu erhalten [5].

3 Marktorientierte Montagestrukturen
und erweiterte Mitarbeiterkompetenz

3.1 Effizienz durch Marktorientierung steigern

Ein primäres Anliegen bisheriger Anstrengungen im Bereich der Montagestrategien zielte vornehmlich auf Effizienzsteigerungen von Montagesystemen in der Serienproduktion ab, mit dem Ziel, verlagerungsgefährdete Industriesektoren am Standort Deutschland zu halten. Die vorrangig technologie-orientierten Lösungen flexibler Automatisierung im Rahmen von Technikentwicklung einerseits und die arbeitswissenschaftlich geprägten Lösungen zur Arbeitsstrukturierung im Rahmen von Organisationsentwicklung andererseits lieferten zwar wertvolle Beiträge, konnten jedoch den Verlagerungstrend in "Billiglohnländer" trotz intensiver Transferbemühungen dieser Forschungsergebnisse nicht brechen [6].Ein Blick auf die Gründe, warum in neuerer Zeit einige Unternehmen ihre Produktion und damit auch ihre Montagen wieder nach Deutschland zurückverlagern, geben Aufschluss darüber, warum ein Markterfolg nicht ausschließlich über die Steigerung der Montageeffizienz zu erzielen ist. Nichtberücksichtigte Transaktionskosten, Qualitätsprobleme, spezifische Standortrisiken, logistische Gefährdungen und vor allem die mangelnde Markt- und Kundennähe überdecken den unmittelbaren Lohnkostenvorteil der Montageverlagerung und gefährden andere und mindestens ebenso wichtige Wettbewerbsvorteile. Unternehmen, die nur Kostensenkungsprogramme durchführen ("Restrukturierer"), können allenfalls als Marktteilnehmer im Wettbewerb verbleiben, nachhaltig wachsen werden sie meist nicht. Ihnen fehlt die strategische Angleichung ihrer Wertschöpfungspotentiale und ihrer Unternehmensstrategie. Profitabel wachsende Unternehmen zeichnen sich also dadurch aus, dass es ihnen gelingt, die strategische Kluft zwischen Wertschöpfungspotentialen und Unternehmensstrategie zu überbrücken, denn eine ausschließliche Effizienzorientierung, zu der auch ein alternativer Technikeinsatz zu rechnen ist, geht nicht zwingend mit positiven Beschäftigungswirkungen einher.Die Montage erfüllt eine wichtige Scharnier-Funktion zwischen dem Produktbereitstellungsprozess eines Unternehmens und dem Kunden. Vorteile in Kosten, Qualität und Zeit werden letztlich dort festgelegt und entscheiden mit " neben Produktfunktionalitäten " über Kundenzufriedenheit und die Marktattraktivität der angebotenen Produkte und Dienstleistungen. Kernstück einer Unternehmensstrategie ist somit das Erkennen und Verstehen der Kundenbedürfnisse. Sie sind der Maßstab für die Entwicklung einer marktorientierten Montagestrategie.Ziel eines von Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Forschungsprojektes mit Beteiligung von sechs KMU (Klein- und mittelständische Unternehmen) und kompetenter Institute ist es deshalb, mit Hilfe eines systematischen und dynamischen Entwicklungsmodells zur Gestaltung von marktorientierten Montagestrukturen, die spezifischen Beiträge der Montage (Rationalisierungsstrategie) zur Unternehmensstrategie herauszuarbeiten, umzusetzen und in Betriebsprojekten zu erproben. Der Titel des Projektes lautet "MAMOS " Marktorientierte Montagestrukturen". Die Leitidee, das MAMOS-Modell beschreibend, ist dabei folgende (Bild
4):Erst mit einer marktorientierten Montagestrategie, basierend auf Mitarbeiterkompetenzen, robusten und beherrschten Logistikprozessen sowie einer flexiblen, modularen Technik- und Produktgestaltung, die sich in der Gestaltung prozessorientierter Wertschöpfungsketten vergegenständlicht, können Effizienzerfordernisse wie Zeitersparnisse, Kostenvorteile und Qualitätsvorsprünge erzielt werden. Diese wiederum erzeugen Effektivität hinsichtlich der Marktattraktivität von Produkten und Dienstleistungen sowie Beschäftigungsförderlichkeit. Zum Verbessern dieser Ergebnisse sind mit Innovation und Lernen die eingesetzten Mittel und Wege wiederum zu optimieren.Unter dem Begriff Montagestrategie ist häufig nur das Verhältnis von Technik-Einsatz und Nutzungsgrad menschlicher Arbeitskraft gemeint. Aspekte wie Markt, Kunde, Produktanforderungen, Wirtschaftlichkeit oder Mitarbeiterpotential bleiben weitgehend unberücksichtigt. Eine Strategie umfasst jedoch meist mehr als zwei Dimensionen. Ziel ist es deshalb, Elemente, Kriterien und Dimensionen für eine Strategiebildung zu systematisieren, um zu Regeln für die Formulierung einer Montagestrategie zu kommen, die mit einer entsprechenden Unternehmensstrategie verknüpft ist.Wenn man für die Montage jedoch eine Strategie ausformulieren will, müssen relevante Informationen aus dem Unternehmen und seinem Umfeld gesammelt und aufbereitet werden. Das geht über eine klassische Investitionsrechnung weit hinaus. Zudem sollte die Montagestrategie für Wettbewerber nur schwer imitierbar sein, wenn sie einen Beitrag zur Gesamtstrategie des Unternehmens leisten soll. Dies schließt aus, dass sie allein auf dem Einsatz verfügbarer Technologie basieren kann. Eine marktorientierte Montagestrategie beschäftigt sich vor allem mit Kundenbedürfnissen und -sichtweisen sowie deren Umsetzung in das Gestalten von Montagestrukturen.Zum Umsetzen der entwickelten Montagestrategie ist somit der Aufbau und die Förderung von Mitarbeiterkompetenz notwendig. Häufig werden betrieblich relevante Kontext- sowie Umfeldfaktoren nur unzureichend einbezogen. Darüber hinaus bedürfen gelebte Arbeitsorganisationsformen der regelmäßigen ganzheitlichen Evaluation hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und der Ableitung und Umsetzung entsprechender "organisatorischer Instandhaltungsmaßnahmen". Die Mitarbeiter sind dabei einzubeziehen, um eine dynamische Weiterentwicklung der Arbeitsformen zu gestatten und neue Rationalisierungspotentiale zu entfalten.Der Aufbau robuster und beherrschter Logistikprozesse ist ebenso ein wesentlicher Baustein zur erfolgreichen, effizienten Montagestrategie. Für KMU kann sich in diesem Zusammenhang die Übertragung von Ansätzen und Methoden aus anderen Bereichen der Montage " etwa aus dem Bereich der Automobilindustrie " lohnen. Strategien wie "Synchronous Material Flow", also eine montagegerechte Bereitstellungslogistik mit durchgängig ziehender Organisation (Customer Demand Flow) oder die Einführung eines "Marketplace" (Bevorratung aller für die Montage notwendigen Materialien mit nur unbedingt notwendigen Bestand in einem "Markt"-ähnlichem Bereich) in der Montage können die montagesynchrone Materialbereitstellung sichern. Auch Ansätze der "Low Cost Intelligent Automation" im Bereich der Logistik erscheinen sinnvoll. Ebenso eröffnet eine Versorgung der Montagestationen mit Material in kurzen Intervallen (nach bestimmten Mengen und nicht nach festgelegten Zeiten) neue Rationalisierungspotentiale.Im Bereich der Modularen Technik sind Faktoren wie eine modulare Systemgestaltung und der Einsatz neuer Techniken zur Werkerunterstützung in der Montage geeignete Mittel, die Effizienz zu steigern. Speziell beim Aufrechterhalten der Marktversorgung mit Ersatzteilen ergibt sich aufgrund des enorm schwankenden Produktspektrums und der zeitlich oft unterbrochenen Abfolge der Fertigung im Rahmen der Ersatzfertigung sehr häufig ein Informationsverlust durch Mitarbeiterwechsel, Varianten-, Produkt- und Produktgenerationswechsel, durch in Ruhestand gehende Mitarbeiter und so weiter. Um den Lerneffekt und die Einübung der für die Qualität der Produkte notwendigen Parameter und Tätigkeiten zu beschleunigen und um den Verlust an Routine bei der Montage möglichst gering zu halten, ist es denkbar, diesen Informationsverlust mittels des Werkerinformationssystems zu überbrücken und somit die Nachteile einer papiergebundenen Informationsbereitstellung zu umgehen (siehe auch Kapitel 3.3).

3.2 Mitarbeiterorientierte Montage
konzepte und Beschäftigungsförderlichkeit

Als grundlegende Schwachstelle bei der klassischen Planung komplexer Montagesysteme ist die Auslegung auf eine fixe Stückzahl-Obergrenze zu sehen, bei der Ansätze zur Erweiterbarkeit des Montagesystems zur stückzahlflexiblen Reaktion auf Absatzschwankungen nicht berücksichtigt werden.Unter Berücksichtigung der zunehmenden Dynamisierung der Produktlebenszyklen sind alternative Strategien für die Montage zu entwickeln, um Agilität in der Reaktion auf schwankende Nachfragen zu erzielen. Eine geeignete Methode ist die mitarbeiterorientierte Montage. Das Tätigkeitsfeld der Mitarbeiter muss dabei über die monotone Ausführung einfacher Bewegungsabläufe hinaus durch organisatorische oder qualitätssichernde Aufgabenbereiche angereichert werden. Mit dezentralen Team- und Gruppenstrukturen und transparenten Prozesse lässt sich die Effizienz steigern. Das bedeutet die Abkehr von hierarchischen Strukturen und die Einführung von Selbstorganisation und Selbstoptimierung innerhalb der Gruppe. Ziel ist dabei immer, ein funktionierendes, qualitativ hochwertiges Produkt in der vorgegebenen Zeit und Qualität sowie zu den vorgegebenen Kosten herzustellen.Weil in absehbarer Zeit kein maschinelles Montagesystem an die Leistungsfähigkeit des Menschen in punkto Flexibilität anknüpfen wird, hat die mitarbeiterorientierte Montage auch im 21.
Jahrhundert nach wie vor eine Schlüsselrolle bei der Herstellung variantenreicher Produkte. Die geringe Kapitalbindung beim Einsatz menschlicher Arbeitskräfte verstärkt diesen Trend noch.Die Kombination automatisierter und manueller Arbeitsvorgängen führt zur "hybriden Montage" (Bild
5). Der Mitarbeiter übernimmt eigenverantwortlich anspruchsvolle Montageaufgaben, während der Materialfluss und qualitätsrelevante oder unergonomische Arbeitsinhalte automatisch an separaten Stationen vollzogen werden. An den manuellen Arbeitsplätze entfallen aufwendige Steuerungen, um die geforderte Variantenflexibilität zu erreichen, und es ist die Möglichkeit zur einfachen Materialdisposition gegeben.Für den Anteil der manuellen Montage an der Gesamtheit aller Montageoperationen gibt es keine festen Richtlinien " wesentlich ist der effektive Einsatz menschlicher Arbeitskräfte, um eine angepasste Automatisierung, eine hohe Flexibilität bezüglich Varianten und Losgrößenänderungen und eine intelligente Nutzung der Montagekapazitäten zu erreichen.Um die Montage an lohnintensiven Standorten zu halten, wird häufig in Richtung hochautomatisierte Montage gedacht. Doch dieser rein monetäre Vergleich der Montagen rechtfertigt nur auf den ersten Blick hochautomatisierte Lösungen. Die heutigen Wirtschaftlichkeitsrechnungen berücksichtigen vorwiegend die Mitarbeiter- und Abschreibungskosten. Operative und indirekte Kosten bei Automatisierungsprojekten finden keine Berücksichtigung. Für eine objektive Gegenüberstellung der mitarbeiterorientierten Montage und der Automatisierung bedarf es folglich einer erweiterten Kostenbetrachtung. Die manuellen Montagen erhalten somit eine wirtschaftlich gerechtfertigte Grundlage. Potentiale für eine wachsende Beschäftigung sind damit motiviert.Bild
6 zeigt eine Möglichkeit, Umrüst-, Mengen-, und Variantenflexibilität umzusetzen. Ausbringung und benötigte Investition werden dabei stufenweise angepasst.Zu Beginn des Produktlebenszyklus " gekennzeichnet durch geringe, sich erst entwickelnde Stückzahlen " kann zunächst (Phase
I) mit einer manuellen Station gearbeitet werden, in der alle notwendigen Vorrichtungen, Werkzeuge, Spann- und Montageeinrichtungen integriert sind. Diese müssen modular aufgebaut sein und über standardisierte Schnittstellen und Versorgungseinheiten verfügen, damit diese in weiteren Ausbaustufen weiter nutzbar sind.In Phase
II ist aufgrund der benötigten Stückzahl ein Ausbau auf beispielsweise eine "U-Shape-Lösung" denkbar, die auch einen flexiblen Einsatz an Mitarbeitern zulässt. Dabei werden die Vorrichtungen, Werkzeuge, Spann- und Montageeinrichtungen aus Phase
I weiter genutzt.In Phase
III ist eine weitere Leistungssteigerung zum Beispiel durch eine automatische Werkstücktransferlösung und den maximalen Einsatz an Mitarbeitern erreichbar. Die Stationen, die zuvor in Phase
II verwendet wurden, sollen hierbei über standardisierte Schnittstellen auch am automatischen Werkstücktransfer Verwendung finden.In Phase
IV ist die Endausbaustufe letztlich beispielsweise durch die Integration automatischer Stationen erreichbar. Hierbei ist Wert darauf zu legen, die notwendigen Vorrichtungen, Werkzeuge, Spann- und Montageeinrichtungen weitmöglichst aus den vorherigen Phasen zu verwenden.Gegen Ende des Produktlebenszyklus (Auslaufphase) sollte schließlich wieder ein Rückbau der Anlage und der Kapazitäten möglich sein. Ein gezieltes Verringern der Leistung kann mit dem Übergang zu Systemlösungen analog der Phasen
III, II und I stattfinden. Module oder Stationen, die dabei sukzessive nicht mehr benötigt werden, sollten hier bei Nachfolgeprodukten oder anderen Varianten eingesetzt werden, um den Wiederverwendungsgrad der produktneutralen Einrichtungen möglichst hoch zu halten.

3.3 Erweiterte Mitarbeiterkompetenz
durch Werkerinformationssysteme

Um den Werker bei variantenreichen Montagen und enorm wechselnden Arbeitsinhalten zu unterstützen, bietet sich der Einsatz multimedialer Werkerinformationssysteme an (Bild
7). Dabei werden dem Mitarbeiter alle notwendigen Informationen (wie Montagereihenfolge, Art und Anzahl der Bauteile, technische und qualitätsrelevante Randbedingungen oder Spezifikationen) in visuell ansprechender und einfach aufzunehmender Weise dargestellt. Dabei sind Videosequenzen, einfache Bilder oder auch internetbasierte Lösungen denkbar. Eine Dialogmöglichkeit des Werkers ist ebenso zu berücksichtigen, um dem Mitarbeiter die Möglichkeit zu bieten, einfache Buchungsaufträge oder Probleme bei der Montage rückmelden zu können.Prinzipiell ist zwischen der Vermittlung neuer Montageinhalte und einer regulären Montage zu unterscheiden. Einerseits kann an separaten Schulungsarbeitsplätzen das Anlernen umfangreicher, komplexer Montageinhalte mittels optimaler, didaktischer Anschauungsmaterialien durchgeführt und ein schneller Anstieg der Leistungsgrenze erreicht werden. Andererseits kann eine Abfrage der Qualifikation des Mitarbeiters beim Anmelden am Montagearbeitsplatz erfolgen. Wenn zum Beispiel der Mitarbeiter seit einiger Zeit die spezifischen Montageinhalte nicht mehr durchgeführt hat, kann per Betriebsdatenerfassungs (BDE)-System der Anstoß zur multimedialen Unterweisung am Montagearbeitsplatz gegeben werden. Der Werker trainiert somit selbstständig und qualitätsbewusst die relevanten Montageabläufe.Eine weitere Motivation für den Einsatz von Werkerinformationssystemen ist der Trend von mechanischen über mechatronische zu elektrischen Produkten, deren Montage zunehmend komplexer werden und somit eine veränderte, oftmals erhöhte Qualifikation der Mitarbeiter voraussetzt.

4 Zusammenfassung

Zusammengefasst kann die Aussage getroffen werden, dass die Kombination von automatisierter und manueller Montage in Form von modularen, hybriden Montageanlagen auf dem Weg zur wirtschaftlichen Produktion variantenreicher Produkte mit Sicherheit nicht den einzigen Lösungsweg darstellt. Dennoch ist im Vergleich zu konventionellen Montagekonzepten bei sinnvollem Einsatz ein erhebliches Rationalisierungspotential gegeben. Darüber hinaus sollte sich jeder Fertigungsplaner darüber im klaren sein, dass zum wirtschaftlichen Aspekt der manuellen Tätigkeiten ein ebenso wichtiger, gesellschaftlicher hinzu kommt:: Eine ausgediente Montageanlage erscheint in keiner Arbeitslosenstatistik, während jede manuelle Montagestation ihren Beitrag zur Entwicklung des Arbeitsmarktes und somit einen " wenngleich auch kleinen " Beitrag zur sozialen Zufriedenheit einer Bevölkerung mit sich bringt.

Literatur

Increase of efficiency in the field of assembly by market-oriented structures and extended employee competence

Abstract To be competitive nowadays it is necessary for manufacturers to align their production with customer demands. This customer-orientation is leading to an increasing number of variants and to shorter product life cycles. Therefore, it is necessary to develop new concepts and alternative strategies for flexible and employee-oriented assembly to secure a leading position in the world market and to open up new potential for additional employment.

Autor:
Feldmann, K.; Slama, S.

Der vollständige Beitrag ist erschienen in:
wt-online 08-2001, Seite 483
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